Ist das Trauer? Warum ein falscher Begriff der Trauer nicht gut tut

Ist das Trauer? Warum ein falscher Begriff der Trauer nicht gut tut

„Wir trauern mit schwerem Herzen“, sagt die Bundeskanzlerin. Auch der Innenminister habe bereits seine Trauer ausgedrückt, wird in Medien berichtet. Ist das so? Sind Herrn de Maizière bekannte Menschen getötet worden, die einen Verlust in seinem persönlichen Leben bedeuten? Sicher, zehn Menschen kamen diese Nacht in München ums Leben. Das ist traurig, tragisch und grauenhaft. Immer wenn Menschen Amok laufen und gewaltvoll zu Tode kommen. Doch Vorsicht. Die eigene Betroffenheit ist nicht mit eigener Trauer zu verwechseln. Die Verstorbenen hatten für mein Leben keine Bedeutung. Ihre Geschichte und meine Geschichte sind vollkommen getrennt. Wir haben nichts gemeinsam erlebt, nichts gemeinsam durchgemacht. Ich kann keine Geschichte von ihnen erzählen. Wie sollte ich trauern können, wenn ich das nicht kann? Wem soll ich erzählen von dem Schmerz und der gemeinsamen Zeit, die wir miteinander gegangen sind? Nein, Trauer ist das nicht. In München ist Schlimmes passiert. Aber ich kann mein Leben weiter laufen. Ich bin nicht verzweifelt, habe innere Leere oder den Verlust meines Lebenssinns. Ich habe keine körperlichen Schmerzen beim Gedanken an die getöteten Menschen. Wer trauert, dem geht es anders als den Politikern im Fernsehen. Ja, Betroffenheit und Mitgefühl ist angebracht. Aber dies leichtsinnig Trauer zu nennen, verwischt die Sache. Es tut dem Begriff der Trauer nicht gut, wenn man ihn vorschnell verwendet. Die Trauer auszudrücken tut weh und kostet Überwindung. Es verändert und befreit. Es ist etwas anderes als ein Politiker-Statement vor der Kamera. Wer wirklich trauert, weiß das. Mögen die Angehörigen, Freunde, Kollegen und Bekannten der Opfer Wege finden, ihre Trauer auszudrücken.

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