Von welcher Welt träumst Du? In welcher Welt willst Du leben? Ein Beitrag zur Blogparade auf www.matthias-wilke.de

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Und in welcher Welt wollen wir leben? Matthias Wilke (www.matthias-wilke.de) hat dazu aufgerufen, sich darüber Gedanken zu machen und von neuen, schönen Welten zu träumen. Bevor ich dazu kam, stieg in mir die Frage auf: In welcher Welt leben wir eigentlich? Kennen Sie diese Welt? Diese hier? Es ist eine Welt voller Sehnsucht, Trauer, Ablenkung, Verzweiflung, Selbstvorwürfen, Schuldgefühlen, Suizid, Therapie, Verlust des Kindes, Erbschaftsstreit, Tod der Eltern, Diebstahl, Arbeitslosen, Mutlosen, Ausgestoßenen, Traumlosen, Hilflosen, Lieblosen, Armen, Menschen ohne Anerkennung. Aber ist die ganze Welt so? Nein, in dieser Welt gibt es kleine Inseln und Oasen, wo ganz viele Dinge wachsen. Hilfe zum Beispiel oder Mitleiden. Diese Welten existieren auch. Genaugenommen glaube ich nicht, dass es die eine Welt gibt. Ich gehe in Anlehnung an den Existenzphilosophen Markus Gabriel davon aus, dass es die Welt nicht gibt. Was dagegen existiert, sind unendlich viele Welten, in denen wir leben. Einige davon lernt man im Lauf seines Lebens kennen, andere nicht. Ich bin ein Weltenbummler. Habe ein paar von vielen Arbeitswelten angeschaut. Interessant. Habe Menschen kennengelernt, die ihre Produkte verkaufen, aber sich selbst kaum für ihre Produkte interessieren. In der Universitätswelt habe ich Studierende getroffen, die sich nicht für ihr Fach interessieren. Spannende Phänomene. Zumeist wussten viele Studierende überhaupt nicht, wofür sie sich überhaupt interessieren. Das haben sie in der Schule nicht gelernt. Die Vier Edlen Wahrheiten des Buddhismus wurden von den meisten nicht als Anlass genommen, um über deren Aussage und Wahrheitsgehalt nachzudenken oder um Einsichten über sich selbst zu bekommen. Nein, es wurde lediglich gefragt, ob sie klausurrelevant seien. Die Universitätswelt war nicht immer eine Lernwelt. Eher oftmals eine falsche Welt. Manche Studierende brachen deshalb ihr Studium ab und suchten für sich echte Welten. Ich suche diese auch noch. Ich träume von echten Welten. Lustigerweise können diese Traumwelten echter sein als die vermeintlich echte Welt. Von welcher Welt träume ich also?

Ich träume von …

einer Welt, in der Trauernde trauern dürfen. Ob in der Arbeitswelt, dem Familienleben, dem Sportverein oder der Kirche – Menschen brauchen Räume zum Trauern. Ich würde gern in einer Welt leben, in der Arbeitgeber berücksichtigen, dass trauernde Angestellte nicht voll einsatzfähig sind. Und dass sie ihre Verantwortung und ihr Interesse erkennen, ihre trauernden Angestellten zu unterstützen. Eine Welt, in der Unternehmen, Behörden, Krankenhäuser, Schulen und Universitäten sich Konzepte ausdenken, wie Trauernde in einer schweren Zeit entlastet werden können. In der sie nach Lösungen suchen, um Trauernde nicht noch mehr zu belasten, als sie ohnehin schon sind. Ich träume von einer Gesellschaft, die den Tod nicht tabuisiert, sondern die um gute Ideen ringt, wie sie mit dem Tod umgehen will. Eine Gesellschaft, die dem Einzelnen hilft, den Tod zu verarbeiten.

Ich träume von …

einer Welt, in der Langsame langsam sein dürfen. Jeder Mensch hat seine Geschwindigkeit. Die durch die Gesellschaft produzierte Beschleunigung der Zeit führt zur Entfremdung des Menschen vor sich selbst. Wer meint, sich eilen zu müssen, hetzt sich am Ende nur selbst ab und verliert die Freude seiner Existenz. Die schönsten Erfindungen der Menschheit sind nicht aus einem „Mach schnell“ entstanden. In der Welt, von der ich träume, sagt man oft „Nimm dir die Zeit, die du brauchst“ zueinander. Oder „Geh in deinem Tempo“. In dieser Welt ist die Lebensweisheit von Beppo, dem Straßenkehrer aus Michael Endes Momo, jedem bekannt: „Du darfst nur an den nächsten Schritt denken, den nächsten Besenstrich. Dann macht es Freude.“

Ich träume von …

einer Welt, in der Zuhören geübt wird. Ich glaube, die Fähigkeit des Zuhörens benötigt unsere Welt heute am meisten. Man stelle sich eine Welt vor, in der Chefs ihren Mitarbeitern zuhören. Eine Welt, in der ein Mensch, der Schwierigkeiten hat, seine Gedanken und Gefühle zu ordnen und auszudrücken, auf geduldige Menschen stößt, die interessiert nachfragen und zuhören. In der Menschen bereit sind, nicht nur schöne Nachrichten sich anzuhören, sondern auch ertragen und mittragen, wenn ein Mensch seine Last zum Ausdruck bringt. Ich träume von einer Welt, in der das Zuhören so kultiviert wird, dass Menschen immer auf offene Ohren stoßen – in Krankenhäusern, Behörden, Schulen, am Arbeitsplatz. Damit jeder die Sicherheit im Herzen haben kann: Ich werde gehört.

Ihr Redner

3 thoughts on “Von welcher Welt träumst Du? In welcher Welt willst Du leben? Ein Beitrag zur Blogparade auf www.matthias-wilke.de

  1. Vielen Dank für Deinen Traum, Christian!
    Du schreibst über einen wichtigen Punkt, den wir beim bunten Träumen oft vergessen. Und obwohl es im ersten Moment klingt, als wäre der Tod etwas, dass jeden Traum beendet, bietest Du eine Lösung an – nämlich ein neues Verständnis, in dem Abschied und Tod nicht tabuisiert und verschwiegen werden, sondern in das Leben integriert sind. Wo Licht ist, ist auch Schatten und in einer traumhaften Welt, sind sich die Menschen dessen bewusst und haben so die Möglichkeit, einen gesunden Umgang mit dem Schatten zu lernen.
    Sehr schöne, neue Aspekte die sich sehr gut in unseren großen Traum integrieren lassen!
    Liebe Grüße
    Matthias

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