Was der Tod mit Reden zu tun hat

Was der Tod mit Reden zu tun hat

Als derRedner beschäftige ich mich nicht nur mit Hochzeiten, sondern auch mit traurigen Ereignissen des Lebens. Doch was hat der Tod mit Reden zu tun? Recht viel, denke ich. Denn wenn der Tod eintritt, ist natürlicherweise erstmal meist Sprachlosigkeit da. Trauern heißt aber: wieder sprechen lernen und neu Worte zu finden. Dazu gibt es viele Wege. Denn nicht jede Rede muss gesprochen werden. Manchmal reichen Bilder, Gesten, Schweigen. Und das dauert unter Umständen lange. Insofern verstehe ich, wenn vom Deutschen Hospiz- und Palliativverband das Statement abgegeben wird, dass Trauer keine Krankheit ist. Ich kann da nur zustimmen. Das was krank macht, ist, wenn der Trauer kein Raum mehr gegeben wird und sie sich nicht ausdrücken darf. Und diese Räume finden wir noch wenig in unserer Gesellschaft: in Schulen, Unternehmen, auch in Kirchen. Dort brauchen wir Räume zum Reden.
Kürzlich habe ich ein Interview mit zwei geflüchteten Brüdern gesehen, die ihre Familie, Freunde und alles Hab und Gut verloren haben. Nun waren sie in Deutschland angekommen und wissen nicht, ob ihre Mutter noch lebt. Einzig die Hoffnung, dass ihre Mutter noch leben könnte, hält sie am Leben. Der eine Bruder sprach, während der andere nur schweigend dasitzen konnte. Er ist zu einem Menschen geworden, der seit Monaten das Sprechen eingestellt hat. Aber mit seinem Schweigen hat er alles gesagt. Eine echte Rede.

Hier übrigens der Link zum Interview mit den beiden Brüdern in der Mediathek der Fernsehsendung Horizonte.

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